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Kärntens fünfte Jahreszeit: Fasching heißt Ausnahmezustand

Kaum ein anderes Bundesland zelebriert den Fasching derartig hingebungsvoll wie Kärnten. Altüberliefertes Brauchtum wird dabei von modernen und "importierten" Faschingsaktivitäten ergänzt.

Prinz Fidelius LVII. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Kathrin I. (©Villacher Faschingsgilde)
Prinz Fidelius LVII. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Kathrin I.

Buntes Treiben und Tanz am "damischen Dienstag" (Faschingsdienstag am 21. Feb. 2012) als feierliches Freudenfest zum Winterende. Der Ursprung teilweise absonderlicher Kärntner Faschingsbräuche liegt in einst zauberischen und kultischen Handlungen: Faschingsrennen, - treiben oder -jagen begleitet von Darstellungen bäuerlicher Arbeiten wechselten mit abergläubischen Arbeitseinschränkungen (wie z. B. dem Verbot zu spinnen) ab.

Weitere Bräuche wie das Blockziehen und das Einspannen von Mädchen vor einen Pflug sollten eine gute Ernte bewerkstelligen. Strohpuppen wurden zu Faschingsbräuten, redegewandte Bürger zu "Schalksnarren" und heiratsunwillige Mädchen zum Spott des Dorfes. Heute lösen eloquente Prangerredner mit ihren gezielten Pointen die Spottredner von einst ab. Wenn auch Kunststoffmasken, Pappnasen und aufwändige Verkleidungen die "Schimmel, Habergeißen und Narrentreiber" von einst ersetzt haben, so ist der Sinn vieler Faschingsaktivitäten dennoch der gleiche geblieben. Man feiert das Ende des Winters und freut sich auf den einziehenden Frühling. In den Faschingshochburgen Kärntens ziehen Narren am Faschingdienstag unter Gejohle tausender Schaulustiger durch die Städte und Dörfer.

Einzig Villach bildet die Ausnahme, wenn schon am Faschingssamstag (18. Feb. 2012) zehntausende größtenteils maskierte Passanten dem prächtigen Umzug mit phantasievollen Masken und reichgeschmückten Wagen mit "Lei-Lei"-Rufen huldigen. Ein Ruf, der an diesem Jubeltag Kärntner Narrentreibens das übliche "Grüß Gott" ablöst.

Villacher Fasching vom 06. Jänner bis 11. Februar 2012
In Kärnten hat der Fasching eine lange Tradition und so ist es kein Zufall, dass die wohl berühmteste österreichische Faschingssitzung im kärntnerischen Villach stattfindet.

Stadtgerücht zu Clagenfurth 12. Jänner bis 18. Februar 2012, Klagenfurt - Messehalle
Alljährlich findet das amüsante Programm des Stadtgerüchts großen Anklang und bringt seinen Gästen einen unerhaltsamen Abend zum Lachen, Nachdenken und Zurücklehnen.


Kulinarische Genüsse
In Kärnten versteht man es, den Fasching zu feiern. Versteht es auch, sich kulinarischen Genüssen hinzugeben. Aus den einst fetten Speisen wie Specknudeln, Sauschädel, verhacktem Schweinefleisch und Schmalzkrapfen wurden - den Zeichen der Zeit entsprechend - locker mit Marmelade gefüllte Faschingskrapfen, mit Bioprodukten heimischer Bauern belegte Brötchen und kalorienärmere aber reichliche Kost. Aus Most wurde Sekt, Frizzante, auserlesene Weine und eigens für den Fasching gebrautes Bier. Lautsprecher, Verstärker und Schlagermusik haben die Harmonika, Klarinetten- und Tubaklänge von einst weitgehend abgelöst. Gleich geblieben ist das Bedürfnis der Menschen und der Gäste, an diesen Tagen ihre Traurigkeit abzulegen und gegen Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und unbändige Lebensfreude einzutauschen.

Der Kärntner Fasching ist ein besonderes Erlebnis. Ein paar Tage im Jahr, die es Wert sind, so richtig ausgekostet zu werden. Kärntner Narr zu sein, heißt auch: "Sagen, was man denkt, fühlen, was man empfindet und so zu sein, wie man sein möchte.

Inhaltsbild
Faschingskrapfen